In einer schnelllebigen Leistungsgesellschaft, in der Höher, Schneller und Weiter oft als Standard gelten, spielen Entschleunigung und Achtsamkeit eine wesentliche Rolle für unsere mentale und körperliche Gesundheit. Achtsamkeit ist kein theoretisches Konstrukt, sondern ein wertvolles, praktisches Tool. Es hilft dir dabei, aus dem persönlichen Autopiloten auszusteigen, zu echter Ruhe und Entspannung zu finden und ein Ausbrennen effektiv zu verhindern. Wie du mit Hilfe von Achtsamkeit wieder bei dir selbst ankommen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.
Unser Stressproblem: Warum Ablenkung keine echte Ruhe bringt
Wir leben in einer Zeit, in der ununterbrochen Reize auf uns einwirken. Informationen, Gedanken, Erwartungen von außen – ein permanenter Lärm, der uns lenkt und uns subtil vorschreibt, wie wir zu funktionieren haben. Genau in dieser Reizüberflutung verlieren viele Menschen den so wichtigen Kontakt zu sich selbst. Gefangen im Autopiloten und getrieben von außen.
Viele glauben, sie kommen zur Ruhe, wenn sie sich ablenken:
- Sich vor den Fernseher setzen.
- Sich ziellos von Social Media berieseln lassen.
- In den Urlaub fliehen, um den „Alltagsstress hinter sich zu lassen“.
Doch das ist keine echte Ruhe. Es ist ein Ausweichen, ein Überdecken der Symptome. Auf Dauer führt genau dieses Konsumieren von noch mehr Reizen tiefer in die innere Unruhe und in das dumpfe Gefühl, sich selbst nicht mehr wirklich zu spüren.
Merke: Wahre Ruhe entsteht nicht im Außen, sondern in dir. In dem Moment, in dem du beginnst, aufzuhören zu laufen und stattdessen ganz bewusst bei dir selbst anzukommen.
Das darf trainiert werden. Und zugegeben: In einer Welt, die laut ist und dich ständig von dir selbst wegzieht, ist das gar nicht so einfach. Aber genau hier beginnt die echte, nachhaltige Veränderung.
Was ist Achtsamkeit eigentlich?
Achtsam sein bedeutet, etwas oder jemanden im Hier und Jetzt aufmerksam, wachsam und ganz bewusst wahrzunehmen. Diese Praxis basiert auf zwei wesentlichen Säulen:
- Bewusst: Du bist im aktuellen Moment präsent, ohne dich von Ablenkungen oder abschweifenden Gedanken wegtragen zu lassen.
- Bewertungsfrei: Es gibt in diesem Moment kein „gut“ oder „schlecht“. Alles, was da ist, darf da sein und hat seine Berechtigung.
Achtsamkeit ist eine tiefe innere Haltung. Sie zeigt sich in allen Lebensbereichen durch Achtung, Zuwendung und Mitgefühl gegenüber dir selbst und auch gegenüber anderen. Damit ist Achtsamkeit das radikale Gegenteil von Multitasking und dem chronischen Stress, den die meisten Menschen in unserem Alltag als normal empfinden.
Wie kann man Achtsamkeit (wieder) lernen?
Die meisten Erwachsenen haben die natürliche Fähigkeit zur Achtsamkeit im Laufe ihres Lebens verlernt. Gestresst und genervt hetzen sie von einem Termin zum nächsten, sind in Gedanken meistens in der Zukunft oder Vergangenheit statt im Jetzt und übersehen dabei die wunderschönen Details des Augenblicks. Leider schauen sich Kinder diese gestresste Haltung von ihren Eltern und Bezugspersonen ab und ahmen sie nach.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, braucht es zwei wesentliche Schritte:
1. Bewusstsein schaffen
Der erste Schritt zu mehr Achtsamkeit im Alltag ist das ehrliche Eingeständnis: „Ja, ich fühle mich gerade gestresst, gehetzt, unzufrieden oder erschöpft.“
Viel zu oft verwerfen Menschen Achtsamkeitsübungen sofort wieder, weil sie ihnen zu zeitraubend erscheinen. Sie suchen nach einer schnellen, vermeintlich „effizienteren“ Lösung – schließlich hat man ja keine Zeit für „Unproduktives“. Selbst wenn der eigene Körper unüberhörbare Warnsignale sendet (wie chronische Schmerzen oder heftige emotionale Ausbrüche), wird weggesehen. Stattdessen werden Symptome mit Medikamenten betäubt und der Marathon von Arzt zu Therapeut beginnt, ohne dass die eigentliche Ursache berührt wird. Die innere Unruhe bestimmt weiterhin das Leben, und in herausfordernden Zeiten fehlt die Kraft, sinnvoll und gelassen zu handeln.
2. Veränderung und ins TUN kommen
Sobald das Bewusstsein da ist, dass es so nicht weitergehen kann, braucht es den klaren Willen und das konkrete Handeln. Es geht darum, die Verbundenheit mit der Natur, unseren Mitmenschen und vor allem mit uns selbst wieder aktiv zu kultivieren.
Selbstachtsamkeit leben: Das bedeutet, die eigenen Bedürfnisse überhaupt erst mal wahrzunehmen, sie ernst zu nehmen, sie sozial verträglich zu äußern und nach ihnen zu handeln. Es bedeutet auch, achtsam mit den eigenen Ressourcen und Grenzen umzugehen, um permanenten Druck und Überlastung rechtzeitig zu stoppen.
Gib dir Zeit: Meine persönliche Erfahrung mit dem Gedankenkarussell
Ich bin mittlerweile ein großer Fan von Meditation und praktischer Achtsamkeit im Alltag. Beides hilft mir enorm dabei, meine immer wiederkehrenden Grübeleien und Gedankenkarusselle zu sortieren, zu unterbrechen, Abstand zu gewinnen und spürbar gelassener zu werden.
Doch aller Anfang ist schwer. Über viele Jahre hinweg habe ich mir unbewusst antrainiert, permanent in Bewegung zu sein, sei es körperlich oder in meinen Gedanken. Irgendwann konnte ich die Stille und die Ruhe gar nicht mehr aushalten. Es musste immer etwas passieren, sei es am Handy zu scrollen. Ich war extrem am „Außen“ orientiert (Umwelt, Mitmenschen, gesellschaftliche Erwartungen) und so mit der täglichen Informationsflut beschäftigt, dass ich mich selbst komplett verloren hatte.
Als ich das erkannte, wollte ich mich unbedingt verändern. Ich definierte meine innere Balance (meine innere Mitte, den inneren Frieden und meine eigene Stärke) als mein neues Ziel. Doch genau hier tappte ich in die nächste Falle: Zu Beginn war die Achtsamkeit nur ein weiteres To-Do auf meiner gefühlt 1000 Punkte langen Liste. Also genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich erreichen wollte.
Vielleicht kennst du das auch? Du wünschst dir sehnlichst Ruhe und Entspannung. Aber in dem Moment, in dem dieser Wunsch zu einer starren Aufgabe wird („Mein Kind ist gerade für 15 Minuten beschäftigt – jetzt MUSS ich mich entspannen!“), verkrampfst du innerlich und es funktioniert erst recht nicht.
Wie der Garten mein Lehrmeister wurde
Das Leben im Einklang mit der Natur hat mir Schritt für Schritt geholfen, aus diesem Hamsterrad auszusteigen. Die leisen Naturimpulse um mich herum haben mir unmissverständlich gezeigt, dass ich auch einfach empfangen und sein darf, anstatt immer nur zu leisten. Die natürlichen Prozesse von Mutter Erde laufen seit Jahrtausenden nach demselben, bewährten Prinzip. Ich habe erkannt, dass wir alle einen Teil dieser natürlichen Prozesse in uns tragen und ihn nicht kontrollieren oder verändern müssen.
Im Lauf der Jahreszeiten etwa finden im Wechsel alle Qualitäten Platz: Aktivität und Ruhe, Hell und Dunkel, Handeln und Reflektieren. Der Versuch ständig nur aktiv zu sein, zu schaffen, zu produzieren und zu konsumieren ist eine anstrengende Sackgasse. Nur herumzuliegen, abzuwarten und keine Entscheidungen zu treffen, ebenso. Erst alles zusammen macht einen Zyklus komplett. Beginn (Frühling), Aktivität (Sommer), Rückschau/Ernte (Herbst) und Ruhe (Winter), vor dem nächsten Neustart (Frühling).
Kleine Schritte und Vertrauen
Einer meiner Lieblingssprüche lautet: „Veränderung braucht Zeit. Gib sie dir.“ Ich habe lange gebraucht, um diesen Spruch zu verinnerlichen und muss ihn mir auch heute immer wieder bewusst vor Augen führen. Nachhaltige Veränderung entsteht langsam, step by step.
Zu Beginn bedeutete das für mich zum Beispiel, einfach nur auf unserer Terrasse zu sitzen und in den Garten zu schauen. Dieses „einfach nur sein“ war eine riesige Herausforderung. Sofort schossen unzählige Gedanken ein: Was muss ich heute noch einkaufen? Welche Termine stehen an? Was muss noch erledigt werden?
Ich habe schrittweise gelernt, aufkommende Gedanken nicht zu bekämpfen, sondern sie sanft „zur Seite zu schieben“. Um meinen Kopf frei zu machen für meine einzige aktuelle Aufgabe: meine Sinneswahrnehmung zu schärfen. Ich habe die Vielfalt der Pflanzen und der Tiere beobachtet, die bunten Farben, den leichten Wind, das Rauschen der Blätter, die herumfliegenden Bienen und Schmetterlinge, und alles was es sonst noch in meinem Garten wahrzunehmen gibt.
Mit der Zeit gelang es mir immer besser und schneller, meine Aufmerksamkeit zu bündeln, anstatt mich in Gedankenschleifen zu verlieren. Später probierte ich verschiedene Meditationen aus. Dabei lernte ich, unerwünschte Gedanken nicht mehr wegzudrücken (was nur zu Unterdrückung führt), sondern sie wie Wolken am Himmel kommen und wieder gehen zu lassen – ohne sie festzuhalten oder zu bewerten.
Das war eine unbeschreibliche Erleichterung. Es fühlte sich an, als ob eine schwere Last von meinen Schultern fiel und ein riesiger Druck von mir wich.
Achtsamkeit ist ein Weg, kein Ziel
Diese positiven Effekte kamen nicht über Nacht. Meditation und Achtsamkeitsübungen sind zu einem festen, liebevollen Bestandteil meines Alltags geworden. Irgendwann merkte ich schlichtweg, dass ich im Kern ruhiger und gelassener geworden bin. Und umgekehrt merke ich auch heute noch: Wenn ich eine Zeit lang darauf verzichte, kehren die innere Unruhe und die Anspannung sofort wieder zurück.
Dazu passt eine wunderbare Geschichte des griechischen Philosophen Demokrit:
Ein paar traurige Schüler fragten den Meister nach dem Geheimnis des wirklichen Glücks. Der Meister antwortete: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich.“
Die Schüler antworteten, dass sie es genau so machen würden, aber trotzdem nicht glücklicher seien. Der Meister lächelte und sagte: „Sicher liegt Ihr, geht Ihr und esst Ihr. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr, wohin Ihr geht, und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.“
Dein nächster Schritt: Raus aus dem Stress, zurück zu dir
Möchtest du tiefer eintauchen und erfahren, wie Achtsamkeit und die Verbindung zur Natur deine ganzheitliche Gesundheit revolutionieren können? Wenn du dich nach einem geschützten Raum sehnst, um diese Schritte nicht alleine gehen zu müssen, lade ich dich von Herzen in meinen NatURkraft Online Club ein:
Liebe Grüße,