Kräuter schonend trocknen

Kräuter schonend trocknen

Frisch geerntet sind die meisten Kräuter qualitativ am hochwertigsten. Es gibt aber verschiedene Konservierungsmethoden um sich einen Vorrat für den Winter anzulegen. Eine davon ist das Trocknen. Allerdings sind nicht alle Kräuter zum Trocknen geeignet – einige verlieren dadurch komplett ihr Aroma, andere gewinnen jedoch sogar an Aroma dazu (z.B. Oregano). Geeignet sind unter anderem Arnika, Beifuß, Bohnenkraut, Estragon, Frauenmantel, Kamille, Königskerze, Lavendel, Majoran, Malve, Minze, Oregano, Ringelblume, Rosmarin, Salbei, Schafgarbe, Schlüsselblume, Thymian, Ysop, Zitronenmelisse und Zitronenverbene.

Erntezeit

Der optimale Erntezeitpunkt spielt eine Rolle, um aromatische und inhaltlich besonders wertvolle Kräuter zu erhalten. Er unterscheidet sich von Kraut zu Kraut und ist auch von Witterung und dem gewünschten Pflanzenteil (Blatt, Blüte, Wurzel) abhängig. Idealerweise erntet man

  • an einem sonnigen, trockenen Tag
  • nicht nach viel Regen oder starker Trockenheit
  • Blätter und Triebe am Vormittag nachdem der Morgentau abgetrocknet ist, am besten junge Blätter direkt vor der Blüte
  • Blüten in voller Blüte um die Mittagszeit, keine halb aufgeblühten oder welken Blüten
  • Pflanzen mit ätherischen Ölen bei Blühbeginn (z.B. Bohnenkraut, Lavendel, Minze, Salbei, Thymian und Zitronenmelisse) oder zur Vollblüte (z.B. Arnika, Frauenmantel, Kamille, Königskerze, Malve, Schlüsselblume) kurz vor der Mittagszeit, wenn die Pflanzen vollständig vom Morgentau getrocknet sind
  • Wurzeln in der Früh vor Sonnenaufgang oder am späten Abend, idealerweise vor oder nach der Vegetationsperiode des Krauts (meist im zeitigen Frühling oder Herbst)
  • Mondkalender: Man geht davon aus, dass die Pflanzenkräfte und -säfte bei zunehmendem Mond eher in die oberirdischen Teile der Pflanzen strömen, daher eignet sich diese Mondphase besonders zum Ernten von Blättern und Blüten. Umgekehrt strömen die Pflanzenkräfte und -säfte bei abnehmendem Mond eher in die Wurzeln zurück, daher eignet sich diese Mondphase besonders zum Ernten von Wurzeln.

Man kann aber nichts falsch machen, wenn man die Kräuter zu einem anderen Zeitpunkt erntet. Die Inhaltsstoffe sind nachweislich immer vorhanden, nur vielleicht in geringerer Menge.

Vorbereitung

Die geernteten Kräuter sollte man nur waschen, falls unbedingt notwendig und in diesem Fall mit Küchenrolle trocken tupfen. Durch das Waschen verlieren sie nämlich an Qualität und neigen leichter zum Schimmeln. Stattdessen sollte man sie nur leicht abklopfen bzw. abschütteln. Bei Bedarf kann man den jeweiligen Kräuterstrauch kurz vor der Ernte auch leicht mit Wasser abbrausen, trocknen lassen und dann ernten.

Die Kräuter sollten so wenig wie möglich zerkleinert werden, weil das die Zellstruktur verletzt, wodurch wiederum ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe austreten können.

Trocknen

Je schneller der Trocknungsvorgang verläuft (bei nicht zu hoher Temperatur, d.h. maximal 38°C), desto mehr ihrer wertvollen Inhaltsstoffe können die Kräuter speichern.

Professionelle Trocknung:

Ich trockne jährlich große Mengen an Kräutern, die ich für selbstgemachte Teemischungen, Kräutersalze, Blütenzucker, Badesalze, Duftsackerl und vieles mehr verwende. Die Qualität ist mir dabei sehr wichtig, daher arbeite ich mit einem professionellen Dörrgerät und einem selbstgebauten Infrarot-Trockner. Mit diesen Geräten werden meine Kräuter bei einer konstanten Temperatur von maximal 38°C innerhalb von ca. 24 Stunden getrocknet, wodurch Farbe, Aroma und Inhaltsstoffe bestmöglich erhalten bleiben.

Natürliche Trocknung bei kleinen Mengen: 

Falls ihr nur sehr kleine Mengen an Kräutern trocknen wollt, wird sich die Investition in ein solches Gerät nicht lohnen. Auch für die natürliche Trocknung habe ich einige wertvolle Tipps für euch, mit der ihr die Qualität steigern könnt.

Idealerweise dauert der Trocknungsvorgang nicht länger als 3-4 Tage
Am besten geeignet ist ein warmer (aber nicht > 30°C), schattiger, luftiger und windgeschützter Ort. Nicht in der direkten Sonne! Hier gehen die Inhaltsstoffe verloren.

Überall ist zu lesen, dass man die Kräuter zum Trocknen zu kleinen Sträußen zusammenbinden und kopfüber aufhängen soll. Grundsätzlich kann man es so machen, man sollte sich jedoch überlegen welchen Teil des Krauts man in weiterer Folge aufbewahren will. Die Wirkstoffe strömen während des Trocknungsvorgangs nämlich zum Stängel zurück. Aus diesem Grund zupfe ich Blätter oder Blüten ab, wenn ich nicht das gesamte Kraut benötige, und breite diese nicht zu dicht nebeneinander in Weidenkörben und Kartonschachteln mit Durchzugslöchern aus.

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Kartonschachteln bekommt man gratis in jedem Supermarkt und man kann sie ganz einfach übereinander stapeln, was Platz spart.

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Wer will, kann sich auch seinen eigenen Kräutertrockner bauen: Holzrahmen bauen und Fliegengitter anbringen. Werden mehrere Rahmen übereinander gelagert, sollte jeweils ca. 10-15 cm Raum zwischen den einzelnen Ebenen sein, damit die Luft zirkulieren kann.

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Die Kräuter sind fertig getrocknet, wenn sie rascheln und sich leicht zerbröseln lassen.

Weitere Tipps und viel Wissenswertes findet ihr in diesem sehr ausführlichen Artikel über das Trocknen und Dörren.

Liebe Grüße,

Zum Pinnen:

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ich habe bislang mit getrockneten Kräutern keine so gute Erfahrung gemacht und friere daher nun das Meiste ein 🙂 Die Tipps sind wirklich gut, vielleicht starte ich doch noch einen Versuch.

    LG Kathrin

  2. Liebe Carina,
    Das Kräuter trocknen betreibe ich noch nicht im großen Stil und meist habe ich die Büschel kopfüber aufgehängt. Dein Tipp betreffend Rückzug der Wirkstoffe ist daher sehr wertvoll! Auch das mit den Schachteln finde ich eine gute Idee! Denn es braucht keinen Kräuter-Trockenturm um 50 Euro um auch in der kalten Jahreszeit etwas von den tollen Wirkstoffen zu haben!
    Alles Liebe,
    Julia

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